Nach der Schlacht

 

Als die Dunkelheit über dem Kampfplatz einbrach, war er von mehreren tausend Gefallenen von drei beteiligten Armeen bedeckt, die schon tot waren, beziehungsweise bald infolge der Verwundung oder einfach des Wassermangels sterben sollten.

 

 

Man evakuierte zwar die Verwundeten, doch ein guter Teil dergleichen blieb immer zurück, besonders wenn sie das Unglück hatten, einer Armee anzugehören, die sich auf dem Schlachtfeld nicht halten konnte. Sicherlich versetzten manchen Verwundeten die auf dem Kampfplatz raubenden Soldaten der leichten Formationen den Gnadenstoß. Unter diesen Umständen könnten aber die auf solche Weise getöteten Menschen nicht von Glück reden...

Die gemeinsame Eigenschaft aller Armeen dieser Zeit, nicht nur dieser übrigens, war ein erschreckend niedriges Niveau der medizinischen Absicherung der Kampfhandlungen. Dieser Umstand ergab sich vor allem aus dem Wissensmangel – von der Antiseptik, den Krankheitserregern etc. hatte man ja keine Ahnung. Die meisten Verstorbenen der damaligen Kriege fielen also den ansteckenden Krankheiten zum Opfer. Betrachtet man damalige Armeen von dem Standpunkt einer immer zur Expansion bereiten Viren- bzw. Bakterienpopulation, so muss man feststellen, dass es für sie keine schönere Umwelt geben konnte, als eine unter schlechten hygienischen Bedingungen lebende Masse von Menschen, die sich in der Regel sehr monoton ernährten, manchmal einfach hungrig waren oder unter der Kälte litten. Es wurden zwar verschiedene „Purgierungsmaßnahmen” angewandt, u.a. ließ man die Soldaten zur Ader, auch bot natürliche Medizin gewisse Therapien. Doch angesichts einer Epidemie war die natürliche Heilkunde so gut wie machtlos, so mochten auch die Investitionen in medizinische Fürsorge als wenig lohnenswert erscheinen. Wenn man trotzdem darin investierte, so geschah das aus anderweitigen Rücksichten. Es handelte sich dann um die Moral der Truppe, sowie überhaupt um die christlichen Wertvorstellungen. Das Heer war zwar von Chirurgen und Feldschern begleitet, doch waren es alles in allem relativ wenige Personen. Lazarette, Etappenhospitäler oder ähnliche Einrichtungen boten ein trostloses Bild, was von allen zugegeben wurde, sofern sie das Thema überhaupt berührten – zu den auf dem Gallischen Krieg Cäsars stilisierten Erzählungen passte es jedenfalls wenig.

 

Wenn ein Soldat schwer verwundet wurde, waren seine Überlebenschancen sehr gering – eine übliche Therapie war dann das sofortige Amputieren des beschädigten Körperteils, das bei einer besonders großen Zahl der Verwundeten oft nicht gründlich und mit schon verschmutzten Werkzeugen durchgeführt wurde. Sofern sich in der Wunde keine Insektenlarven einnisteten, die das zersetzende Gewebe wegfraßen oder die Wunde mit ihren Ausscheidungen desinfizierten, erwartete den Unglücklichen sowieso ein schmerzhafter Tod, selbst wenn er dann am sorgfältigsten gepflegt wurde, was aber selten geschah. Man muss sagen, dass das einzige Mittel zur Linderung der Schmerzen während der Amputation der Alkohol war, auch dieses war aber nicht immer in nötigen Mengen erhältlich…

 

 

Nach verschiedenen Schätzungen soll die russische Armee bei Kunersdorf insgesamt 13 bis 14 Tsd. an Toten, Verwundeten und Verschollenen und die österreichische ungefähr 2,3 Tsd. Menschen verloren haben. So könnten sich die Verluste der Verbündeten um 15 bis 16 Tsd. Soldaten belaufen, worunter, wie man aufgrund verschiedener Daten abschätzen kann, sich über drei Tsd. Tote fanden. Die Preußen sollen insgesamt (mit den von den Russen und Österreichern gemachten Gefangenen) über 18 Tsd. Soldaten verloren haben, darunter ungefähr sechs Tsd. Tote – der Unterschied im Verhältnis der Toten zu den übrigen Verlusten mag uns etwas von dem zusätzlichen Preis sagen, den die Untertanen des preußischen Königs für seine Niederlage bezahlen mussten. Insgesamt ergibt unsere Schätzung neun- bis zehntausend Todesopfer, doch ihre Zahl wuchs mit der Zeit – es ist nämlich zu bedenken, dass eine bedeutende Anzahl von Verwundeten nach der Schlacht das Schicksal ihrer früher gefallenen Landsleute teilte. Selbst wenn man also die sehr hoch gegriffenen Schätzungen für glaubwürdig hält und annimmt, dass bei Kunersdorf 140 Tsd. Mann aufeinander trafen, wird die Bilanz der durch die kämpfenden Armeen binnen weniger Stunden erlittenen blutigen Verluste erschreckend sein, es würde sich nämlich daraus ergeben, dass nahezu ein Viertel der Kriegsteilnehmer Verwundungen davon trugen.

 

 




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