Der Feldzug 1759 –Kampfhandlungen in Schlesien und Sachsen

Den Feldzug 1759 begann der preußische König sehr wachsam – zum ersten Mal unternahm er keinen Versuch, in feindliches Gebiet einzudringen. Er lauerte auf den Gegner auf eigener Seite des Gebirges in der Hoffnung, dass jener einen Fehler macht und ihm die Gelegenheit zu einer, wie es Friedrich ausdrückte, „guten” Schlacht gibt, die ihm ermöglichen wird, die Abteilungen ohne Risiko dort zu entsenden, wo sie dringend benötigt werden >> II 5. Maria Theresia glaubte, dass die zahlenmäßige Überlegenheit der alliierten Armeen (insgesamt zählten sie an 335 Tsd. Soldaten) über den preußischen König, sowie Briten, Hannoveraner, Hessen und Braunschweiger, die ihn unterstützten (insgesamt um 190 Tsd.), diesmal den Ausschlag geben wird. Ein konzentrisches Vorgehen der Verbündeten sollte ihren Feind zur Streuung seiner Kräfte und zum Kampf an allen Fronten unter gleich ungünstigen Bedingungen zwingen. Die österreichische Armee konnte den Augenblick auszunutzen, um endlich mindestens einen Teil von Schlesien zu erobern.

 

 

Im Frühjahr 1759 lagen die österreichschen Hauptkräfte in mehreren Korps entlang der Sudeten und des Erzgebirges verteilt. Ihr Oberbefehlshaber war Feldmarschall Daun, für Aufmerksamkeit und die Neigung zu langsamen und methodischen Operationen, aber auch für einen großen Scharfblick bekannt. Daun selbst standen mit etwa 40 Tsd. Soldaten bei Königgrätz weitere sechs kleinere Korps, die insgesamt an 80 Tsd. Soldaten zählten und überwachten die Übergänge nach Böhmen und Mähren, von Troppau bis an die Grenze von Franken und Thüringen. Ein gesondertes Korps unterstützte das bunte Flickwerk der sog. Reichsarmee, die sich aus Kontingenten der deutschen Staaten zusammensetzte, die den preußischen König für den Feind des Reiches erklärt hatten.

 

 

Jenseits des Gebirges zog sich ein analoger Kordon des preußischen Heeres hin. Im Winter konnte Friedrich der Große seine Armee wieder auffüllen, sodass sie im Frühjahr (ohne Garnisonseinheiten) um 130 Tsd. Soldaten umfasste. Der König mit dem größten Korps (ca. 45 Tsd. Mann, die im April bei Landeshut versammelt wurden) beabsichtigte in Niederschlesien zu verbleiben. Den Rest des Heeres verteilte er zwischen mehreren Korps. Sachsen (hier führte sein Bruder Prinz Heinrich das Kommando), Oberschlesien (General Fouque) und polnische Grenze (General Dohna - er sollte mit knapp 30 Tsd. Soldaten zugleich an 10 Tsd. Schweden in Pommern und mit selbstständigen Abteilungen 70 bis 80 Tsd. Russen in Polen beobachten). Am Rhein und Main sollte Ferdinand von Braunschweig fast 100 Tsd. französischen Soldaten die Stirn bieten. Er genoss schon das Ansehen eines Meisters des strategischen Manövers, so konnte man mit gutem Recht darauf hoffen, dass er auch diesmal dem westlichen Gegner die Beeinflussung der Ereignisse auf dem Hauptkriegsschauplatz verwehrt, obwohl seine aus Briten und Deutschen zusammengesetzte Armee nur über 60 Tsd. Mann umfasste.

 

 

Die Übermacht aller feindlichen Armeen, die auf dem mitteleuropäischen Kriegsschauplatz erscheinen sollten, musste dem preußischen König große Sorgen bereiten – wohl reichte ihm schon die Vorstellung von den sich im Herzen Preußens treffenden Österreichern und Russen. An der böhmisch-schlesischen Grenze konnte er nur warten, doch beschloss er auf den Nebenlinien zu wirken, um durch mehrere Angriffe die Eröffnung des Feldzuges durch den Feind möglichst zu verzögern. Er befahl also seinen Generälen die Ausfälle jenseits der Grenze zu unternehmen, vor allem um die Magazine zu zerstören. Diese müssten dann nämlich wieder gefüllt werden, was gerade im Frühjahr nicht so einfach zu bewerkstelligen war >> II 2. Dem General Fouque glückte das Unternehmen nicht – er konnte zwar einige kleinere Magazine zerstören, doch sein Gegenstück bei den Österreichern – General de Ville – besetzte eine gute Stellung, und die Preußen waren letztes Endes gezwungen, unverrichteter Dinge nach Schlesien zurückzukehren. Prinz Heinrich war weit mehr erfolgreich – er verwüstete erst einmal das österreichische Versorgungssystem in der Grenzzone jenseits des Erzgebirges, dann (schon im Mai) wendete er sich nach Westen, zog an den oberen Main und desorganisierte vollständig mit mehreren Schlägen die Reichsarmee, indem er viele Magazine zerstörte und einzelne Abteilungen aufrieb.




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